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Entwicklung der Jahresabschlüsse in Sachsen: Kommunen hinken 4,6 Jahre hinterher

Der aktuelle Jahresbericht 2025 des Sächsischen Rechnungshofs (SRH) zeichnet ein besorgniserregendes Bild der kommunalen Finanzverwaltung ab: Die Rückstände bei der Aufstellung und Feststellung von Jahresabschlüssen sind weiterhin eklatant. Zehn Jahre nach Einführung der Doppik fehlt in vielen Kommunen die grundlegende Basis für eine geordnete Haushaltswirtschaft. Die Faktenlage belegt eindeutig, dass die Verzögerung längst kein reines „Aufschiebe-Problem“ mehr ist, sondern die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen akut bedroht.

Die Daten des SRH zum Stand 1. Januar 2025 sprechen eine deutliche Sprache. Der durchschnittliche Rückstand bei nicht festgestellten Jahresabschlüssen beträgt in den sächsischen Kommunen und Landkreisen im Mittel 4,6 Jahre. Dieser Wert hat sich gegenüber dem Vorjahr (4,5 Jahre) sogar leicht erhöht. Für das Haushaltsjahr 2023 wurden zudem rund 87 Prozent der insgesamt 493 Jahresabschlüsse nicht fristgerecht festgestellt. Besonders gravierende Rückstände bestehen regional in Ost-, Südost- und Nordwestsachsen, wobei die Landkreise Görlitz mit durchschnittlich 7,5 Jahren und Bautzen mit 5,2 Jahren Rückstand besonders hervorstechen. Die Tatsache, dass positive Beispiele wie der Landkreis Mittelsachsen und der Erzgebirgskreis belegen, dass die gesetzlichen Vorgaben unter vergleichbaren Rahmenbedingungen umsetzbar sind, macht die Defizite umso kritischer.

Der Rechnungshof betont zu Recht die zentrale Bedeutung zeitnaher Abschlüsse. Ohne sie bleibt die wirtschaftliche und nachhaltige Steuerung der Kommunalhaushalte stark eingeschränkt. Es fehlen belastbare Daten zur Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage. Haushaltsentscheidungen basieren somit oft auf fortgeschriebenen Planwerten, die weder geprüft noch verabschiedet wurden. Diese mangelnde Transparenz lässt Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit der Haushaltsführung aufkommen und untergräbt das Vertrauen der Bürger in die öffentliche Hand. Erst mit geprüften Abschlussdaten lassen sich fundierte Steuerungsentscheidungen treffen, die notwendig sind, um beispielsweise neuen Berichtspflichten wie dem Finanz- und Personalstatistikgesetz (FPStatG) gerecht zu werden. Die immer wieder genannten Ursachen wie Personalengpässe, Verwaltungsreformen oder technische Hürden verlieren angesichts der jahrelangen Dauer an Überzeugungskraft.

Der Sächsische Rechnungshof fordert eine konsequente Priorisierung der Jahresabschlussfeststellung und die Notwendigkeit verstärkter rechtsaufsichtlicher Maßnahmen. Das Staatsministerium des Innern prüft bereits die Wiedereinführung einer Kopplungs-Regelung, um die Haushaltsgenehmigung an die Vorlage aktueller Abschlüsse zu binden. Solange die Abschlüsse fehlen, kann die Pflicht zur umfassenden Aufgabenerfüllung nicht gesichert werden. Der Weg aus dem Rückstand führt über eine konsequente Kombination aus Prozessoptimierung zur Verschlankung der internen Arbeitsabläufe, gezieltem Wissenstransfer durch Schulung des Personals und einer absoluten Priorisierung des Jahresabschlusses als Verwaltungsaufgabe. Auch eine Verlängerung der geltenden Vereinfachungsregelungen bis zum Jahr 2025 sehen wir als empfehlenswert an, um den Verwaltungen den notwendigen Handlungsspielraum für den Abbau der Altlasten zu verschaffen.

Ein wichtiger Beitrag zur Lösung dieses Problems ist unsere direkte Unterstützung, die wir flexibel vor Ort und digital leisten. Wir unterstützen Sie gerne bei allen Phasen der Jahresabschlusserstellung und stehen Ihnen für Fragen zu diesem Bereich jederzeit zur Verfügung. Allein im Jahr 2025 waren wir in Sachsen an circa 50 Jahresabschlüssen unterstützend beteiligt. Unsere Schwerpunkte lagen dabei insbesondere in der Bewertung von Baumaßnahmen und der Übernahme der Anlagenbuchhaltung. Dies sind zwei Bereiche, die erfahrungsgemäß die größten Engpässe in den Verwaltungen verursachen und bei denen wir einen wesentlichen Schwerpunkt zur Entlastung unserer Mandanten setzen konnten.

Ihr Ansprechpartner:

Tom Linse
Abteilungsleiter Haushalt und Rechnungswesen